|
7. Platz für die Honigsmöhne
Sonntag, 11.Juni 2006
Alljährlich lädt die Kavallerie der
Ehrengarde der Stadt Bonn alle Freunde des rheinischen Brauchtums und
Karnevals zu ihrem Biermarathon ein und das schon 5 mal in Folge.
Rheinisch betrachtet bedeutet das,
er hat mittlerweile Tradition. Während dieser etwas anderen
Schnitzeljagd kommen Teams bis zu acht Personen an vielen bekannten
und unbekannten Plätzen Bonns vorbei.
Als Detektive sind sie gefordert,
das Geheimnis der Altstadt zu lösen. Am Wegesrand liegen viele Kneipen
und Karnevalshochburgen, in denen sie bei einem Umtrunk und lustigen
Spielen für einen guten Punktestand sorgen können.
Für das Damenkomitee der
Honigsmöhnen starteten unsere Präsidentin Ulrike Schnug mit Hmmm (Honigsmöhnemännermann)
Josef, Gabi Dahl-Biercher mit Klein-Annika und Hmmm Uli, Miriam
Schmitz mit Vater Heinz-Peter und Marie-Luise Mäurer.
Die Veranstaltung fand am 11. Juni
statt und begann um 9:00 Uhr im Zeughaus der Ehrengarde mit einem
Brunch. Zahlreich, nämlich 20 Teams, waren sie der Einladung gefolgt,
genau gesagt 138 Jecke nahmen an diesem Spektakel teil. Nach der
Begrüßung des Präsidenten Mark Titus Drescher wurden jeweils vier
Vereine aufgerufen, um sich als Auftakt einen historischen Film
anzusehen.
Wir hatten das Pech, als Letzte
dran zu sein. Der Streifen spielte im 17. Jahrhundert und wies einige
Fehler auf, die wir zu erkennen hatten. Mit einem rätselhaften Text
als Leitfaden und einigen Blättern mit extra Aufgaben und Suchbildern
ausgestattet, wurden wir unserem Schicksal überlassen.
Noch an Ort und Stelle machten wir
uns über die erste Herausforderung her. Wie Pennäler steckten wir
unsere Köpfe zusammen und lauschten unserem Vorleser Uli. Noch die
Letzten Sätze im Ohr: "Dort wo die Nebel steigen....." und "Vergesst
die Armen nicht....." zogen wir los.
Waren sie hilfreich oder führten
sie uns in die Irre? Unserem Gespür folgend kamen wir zum Alten
Friedhof, wo viele Persönlichkeiten des kulturellen und politischen
Lebens ruhen. Hier wollten geschickt täuschende Abbildungen entdeckt
werden. Wir verteilten uns auf dem Gottesacker, etliche Mitstreiter im
Nacken. So viel Hufe hatten Beethovens, Schillers, Schopenhauers und
Schumanns, um nur einige zu nennen, an einem Tag noch nicht ertragen
müssen. Mehrmals las Uli eindringlich vor: " Findet den Bettler". Bis
er plötzlich vor unserem geistigen Auge erschien.
Mit weiterem Material ausgestattet,
tasteten wir uns weiter bis zur Kneipe im Stadthaus. Hier musste der
geschickteste Werfer unserer Truppe ran, um Holzteile zu Fall zu
bringen. Außerdem wurden unsere erarbeiteten Dokumente gegen neue
Schweinereien ausgetauscht. "Sein oder Nichtsein", das ist hier die
Frage und "Durch diese hohle Gasse muss er kommen". Wir warten heute
noch darauf. Nachdem der Flüssigkeitshaushalt wieder aufgefüllt war,
ging es weiter.
Was hat es mit den Marx-Brothers
auf sich? Wir gingen über die Maxstraße. Kein Stern leuchtete und
zeigte uns den Weg, wie den Weisen aus dem Morgenland. Wie Hänsel und
Gretel folgten wir den Brotkrumen, die für uns gestreut waren, sei es
in Form einer Moschee in einem Hinterhof oder einer Putte an einem
Dachgiebel. Sie führten uns zum nächsten Etappenziel.
"Was hat diese Kneipe mit XY zu
tun?" - "Nyx" An jedem Stopp wartete ein Mitglied der Ehrengarde und
tauschte unsere schwer erarbeiteten Erkenntnisse gegen ein
unbeschriebenes Blatt. Dann glühten die dünnen Drähte in unserem
Oberstübchen, dass man Angst haben musste, sich gegenseitig zu
elektrisieren. Der Kicker wurde schnell noch etwas gekitzelt,
flüssiges Brot inhaliert und ab ging es mit Gesang in das nächste
Restaurant.
Hier war z.B. der genialste
Erbsenzähler gefragt und zwar einzeln mit Strohhalm und Tücke. Und
noch einige Kopfnüsse mussten geknackt werden. Allmählich knurrte auch
der Magen. Essen auf Rädern wäre uns sehr willkommen gewesen.
In der Kneipe Mexiko musste unser
Computerfachmann Josef mit höchster Konzentration alles, was auf einer
Leinwand zu sehen war und mit Kölsch zu tun hatte, in Sekundenschnelle
fangen. Und dann saßen wir schon wieder um den Tisch und lauschten
Ulis weisen Worten, wenn gefragt wurde, wie heißt unser Schlachtruf
der 5. Jahreszeit "Alaaf" übersetzt: "Es lebe"!
Inzwischen brummte uns ganz schön
der Schädel und Ebbe im Kopf prophezeit noch lange keine Gedankenflut.
Ab und zu hätten wir schon gerne das Publikum gefragt oder den
50:50-Joker genommen.
Ob Kölsch oder Pils erkannt werden
musste, wann das Reinheitsgebot verordnet wurde, historische
Gussplatten in äußerste Kneipenecken versteckt waren, alte
Bäckereischilder in irgendwelchen Hinterhöfen aufgestöbert werden
mussten, oder kleine Gummischweine durch die Luft wirbelten bis sie
schwindelig wurden und uns am Ende noch 15 Kölsch einbrachten, unser
Team arbeitete sich stetig voran uns sammelte Punkte.
So kamen wir mit List und
Kombinationsgabe auch in den Bonner Norden in den "Archäologischen
Park" und fanden eine Bronzeplatte, auf der das damalige römische
Legionslager dargestellt ist. Gottseidank lag eine Frittenbude günstig
auf unserer weiteren Fährte, an der wir erst mal Halt machten.
Dann wurden wir vor eine Kneipe
unterhalb des Stadthauses gelotst. Hier waren je Team zwei Personen
gefordert, die mit zusammengebundenen Beinen den vorgegebenen Linien
folgen mussten. Peter band sich kurzerhand seine leichtgewichtige
Tochter ans Bein und hüpfte mit ihr über den Parcours. Falls unser
Verein mal in die roten Zahlen geraten sollte, lassen wir die
Schmitzens im Zirkus auftreten.
So weit die Füße tragen trieben uns
Dämonen in den Cassiusgraben und um das ehemalige Alte Rathaus. Hier
jedenfalls steckte der "Teufel" im Detail.
Als wir dann gegen 19:00 Uhr
schachmatt und um viel Wissenswertem reicher in die Mauern der
Ehrengarde zurückkehrten, war die vorgegebene Zeit zwar "leicht"
überschritten, aber wir hatten die 4,5 km durch die Altstadt
geschafft. 10 Gruppen waren immerhin noch unterwegs, wie wir hörten.
Und als nach verdienter Stärkung das Ergebnis bekannt gegeben wurde,
waren wir mit uns sehr zufrieden. Immerhin hatten wir den 7. Platz von
20 erkämpft. Eine Urkunde wird uns immer daran erinnern.
Zu guter Letzt
möchte ich noch erwähnen, dass die Ehrengarde Heerscharen von
Historikern in ihren Reihen haben muss, denn dieser Marathon hatte es
in sich und war auf hohem Niveau zusammengestellt. Alle Achtung!
von
Marie-Luise Mäurer
|